Sprachspeicher – oft auch Wortspeicher genannt – sind eine Methode, mit der Lernende in der Sprach- und Wortschatzarbeit unterstützt werden können. Es handelt sich um eine Sammlung an wichtigen Fachausdrücken und Sprachmitteln, auf die Kinder bei eigenen Sprachproduktionen zurückgreifen können. Ziel ist es also, eine gemeinsame sprachliche Basis zu schaffen, auf Grundlage derer sprachliches und fachliches Lernen für alle möglich ist.
Damit die Lernenden den Sprachspeicher für ihre eigenen Beschreibungen und Begründungen nutzen können, ist es hilfreich, wenn dieser zunehmend gemeinsam entwickelt und auch durch die Lehrkraft immer wieder aktiv in die Sprachproduktionen miteingebunden wird. Zugleich sollte darauf geachtet werden, dass die Sätze des Sprachspeichers nicht wie ein Gedicht nur immer wieder aufgesagt, sondern mit inhaltlicher Bedeutung verwendet werden können.
Doch wie sollte ein Sprachspeicher gestaltet sein? Diese Frage soll im Folgenden genauer betrachtet werden:
Anknüpfung an die Alltagssprache und Verbindung mit der Fachsprache
Lernende bringen oftmals bereits Sprachmittel mit, mit denen sie ihr Verständnis ausdrücken. Es ist wichtig, diese im Unterricht aufzugreifen, zu bündeln und fortschreitend zu einer gemeinsamen Sprache weiterzuentwickeln, um das Lernen von- und miteinander und das Sprechen über Mathematik zu ermöglichen. Hierbei sollten nicht nur mathematikspezifische Fachwörter (wie z. B. 'Addieren' und 'Subtrahieren') im Fokus stehen, sondern insbesondere auch Satzphrasen und Formulierungshilfen, auf die die Lernenden in ihren eigenen Sprachproduktionen zurückgreifen können.
Im Sprachspeicher werden wichtige Fachausdrücke festgehalten.
Anknüpfung von Sprachmitteln an exemplarische Beispiele
Die zentralen Sprachmittel werden für die Lernenden oftmals erst verstehbar, wenn sie an einem exemplarischen Beispiel angewendet werden. Denn Satzbausteine wie "wird um ... kleiner" sind nicht selbsterklärend und haben erst in Zusammenhang mit bestimmten mathematischen Mustern und Strukturen eine tiefergehende Bedeutung. Die Lernenden sollten zunehmend dazu angeregt werden, die exemplarischen Formulierungen des Sprachspeichers auf ihre eigenen Entdeckungen und Vorgehensweisen zu übertragen und zum Beschreiben und Begründen zu nutzen.
Rückgriff auf Mittel zum Forschen
Mittel zum Forschen sind sowohl Anschauungs- als auch Erkenntnismittel: Einerseits unterstützen sie die Lernenden dabei, Zusammenhänge näher in den Blick zu nehmen und so zu mathematischen Erkenntnissen zu gelangen, andererseits können sie auch die Kommunikation über Mathematik erleichtern. Farbliche Markierungen, Umkreisungen und andere Mittel zum Forschen sind daher wichtige Unterstützungselemente eines Sprachspeichers, welche die Lernenden wiederum auf eigene Sprachhandlungen übertragen können.
Mittel zum Forschen sollten wiederkehrend im Mathematikunterricht eingesetzt und den Lernenden geläufig werden, damit diese sie eigenständig nutzen können. Weitere Informationen zu Mitteln zum Forschen finden Sie hier.
Verknüpfung von Sprachmitteln mit Veranschaulichungen
Um den Aufbau von mathematischen Vorstellungen zu unterstützen, sollten auch Darstellungen in den Sprachspeicher integriert werden. So sind Rechenwege für Lernende beispielsweise oftmals erst verstehbar, wenn sie anhand eines Rechenstriches oder in einer Plättchendarstellung veranschaulicht werden. Darstellungen wie diese können zugleich sprachentlastend wirken, denn die Lernenden können sich auf die Darstellungen in ihren Sprachproduktionen beziehen.
Der Sprachspeicher wurde um Veranschaulichungen und beispielhafte Beschreibungen ergänzt.
Sprachspeicher gezielt einsetzen
Damit der Sprachspeicher für die Lernenden nutzbar ist, sollte dieser gemeinsam im Unterricht entwickelt werden. Daher ist es sinnvoll, immer wieder aktiv auf den Sprachspeicher zurückzugreifen und diesen im Verlauf des Mathematikunterrichts ggf. um weitere Ausdrücke und Darstellungen zu ergänzen. Der Lehrkraft kommt hierbei eine zentrale Rolle zu, da sie die Lernenden dazu anregen kann, den Sprachspeicher in ihren Sprachproduktionen mit einzubeziehen ("Wie haben wir das letztens gesagt?") und zugleich als sprachliches Vorbild fungieren kann, indem sie selbst gezielt auf die Ausdrücke des Sprachspeichers zurückgreift.
Sprachspeicher sind daher dann besonders wirksam, wenn sie im Unterricht "gelebt" werden.
Verweise auf weitere Informationen und Materialien zum Thema
Exemplarische Sprachspeicher
Auf PIKAS steht eine Vielzahl exemplarischer Sprachspeicher zur Verfügung, die einen Eindruck vermitteln sollen, welche Sprachmittel, Satzphrasen und Darstellungen in einem gemeinsam entwickelten Sprachspeicher eingebunden werden könnten. Diese sollten jedoch nicht unbesprochen zur Verfügung gestellt, sondern vielmehr im Verlauf der Auseinandersetzung gemeinsam entwickelt werden, um für die Lernenden nutzbar zu sein.
Selbststudiumsmaterial
Weiterführende Hintergrundinformationen finden Sie im Selbststudiumsmodul "Funktionen von Sprache" und in der Handreichung "Sprachbildung im Mathematikunterricht"